Keine Leistung, keine Zahlung: Steyrer Konzern verweigert Kammerumlage

Von Kurt Guggenbichler
13. Juli 2023
Lesezeit: 2 Min.

Eingedenk des Standardmottos der österreichischen Wirtschaftskammer (WKO), dass sich Leistung lohnen müsse, verweigert der Steyrer Industriekonzern „Automotive“ schon seit etwa einem Jahr die Bezahlung der Grundumlage an die schwarz dominierte Unternehmensvertreter-Institution. Diese will die ausstehenden 70.000 Euro nun zwangsweise eintreiben lassen.

So etwas käme zum Glück nur sehr selten vor, erläutert Gerald Silberhumer, Direktor der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ). Aber gar nicht so selten ist es der Fall, dass Kammermitglieder mit ihrer Vertretung schon seit Jahren unzufrieden sind, ihre Abgaben aber trotzdem weiterbezahlen, obwohl auch sie keine wesentliche WKO-Leistungen für ihre Branche oder Firma erkennen können.

Keine Leistung – keine Zahlung

Das sieht auch Johann Ecker so, der Geschäftsführer von „Steyr Automotive“. „Wenn man keine Leistung bekommt, warum soll man dann zahlen?“, fragt er. Dasselbe könnte man auch über den ORF sagen. Eckers Ärger ist auch verständlich. Denn die WKOÖ habe letztlich nicht einen Finger für das Vorgängerwerk MAN gerührt, trotz vieler Versprechungen, die es nach der Anfang 2022 angekündigten Schließung gab. 2300 Mitarbeitern drohte der Jobverlust.

Nach heftigem Gerangel übernahm schließlich der ehemalige Magna-Chef Siegfried Wolf das Werk, und baute sofort 550 Arbeitsplätze ab. Die restlichen Mitarbeiter wurden zu einem Gehaltsverzicht „überredet“ und aus „MAN“ wurde „Steyr Automotive“.

Keine Unterstützung der Wirtschaftskammer 

Von da an war das Unternehmen wirtschaftlich wieder im Aufwind, der auch anhielt, bis der Ukraine-Russland-Krieg ausbrach und spätestens ab diesem Zeitpunkt hätte sich Johann Ecker Hilfe von der Politik und der Wirtschaftskammer erhofft. Doch diese waren schon abgetaucht, seit klar war, dass es mit dem MAN-Werk in Steyr weitergehen wird. Von da an war auch von den ursprünglich versprochenen 30 Millionen Euro an Förderungen nichts mehr zu hören.

70.000 Euro Rückstand: Exekutions-Verfahren 

Stattdessen bekam Johann Ecker im heurigen Frühjahr Post von der Wirtschaftskammer, die die Entrichtung der Grundumlage von 70.000 Euro fordert. Weil aber Ecker nicht nur diesen Brief, sondern auch alle nachfolgenden Mahnungen bewusst ignorierte, leitete die Wirtschaftskammer beim Bezirksgericht Steyr eine Exekutionsverfahren ein und nun muss Ecker jeden Tag mit dem Besuch des Gerichtsvollziehers rechnen.

Dies jedoch könnte die Initialzündung für den neuerlichen Ausbruch der schon seit langem erhobenen Forderung sein, diese längst aus der Zeit gefallene Zwangsabgabe für die WKO endgültig abzuschaffen, zumal die Abgezockten meist gar nicht wissen, wofür sie eigentlich blechen.

Einer der Betroffenen, der ungenannt bleiben will, sagt es klipp und klar: „Ich sehe ebenfalls nicht ein, mich weiter schröpfen zu lassen, damit die Wirtschaftskammer mit meinem Geld verdeckte Parteifinanzierung für die ÖVP betreiben kann.“

Zum Autor: Kurt Guggenbichler war Mitbegründer und Chefredakteur des „Wochenblick“. Sein journalistisches Handwerk hat er bei der „Goslarschen Zeitung“ in Norddeutschland erlernt, wo er acht Jahre lang als Redakteur, Reporter und Kolumnist tätig war. Wieder zurück in seiner Heimat, arbeitete Guggenbichler in der Funktion eines Ressortleiters dann 25 Jahre lang für die „Oberösterreichischen Nachrichten“. Zum „Wochenblick“ wechselte er einige Zeit nach seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Tageszeitung „Oberösterreichs Neue“ und für AUF1-Info ist Guggenbichler nun als Nachrichten-Redakteur, Kommentator und Reporter im Einsatz.

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