Reportage

Banges Warten auf Fertigstellung der „Attersee-Moschee“

Von Kurt Guggenbichler
5. Februar 2023
Lesezeit: 3 Min.

„Diese Moschee ist ein Fremdkörper in unserer schönen Kulturlandschaft vor den Toren des Attersees“, hört man oft von Bürgern hinter vorgehaltener Hand. Davon sind viele Bewohner im oberösterreichischen Vöcklabruck überzeugt, auch wenn sie es sich nicht laut zu sagen trauen.

Sie wollen sich nämlich nicht Fremdenfeindlichkeit vorwerfen lassen. Dies wäre die automatische Reaktion der Gutmenschen auf die öffentliche Ablehnung des muslimischen Gotteshauses, das der Bauherr, der bosniakisch-österreichische Kulturverein, allerdings nicht als Moschee, sondern als Gebetshaus bezeichnet.

Dies würde auch das Fehlen der bei Moscheen üblichen Minarette erklären, was die Schwestern der vis-à-vis vom muslimischen Gebetshaus liegenden katholischen Don-Bosco-Schule erleichtert zur Kenntnis genommen haben dürften. Denn eine Moschee, eingeklemmt zwischen Ida-Pfeiffer-Straße, Altstoffsammelzentrum, Bundesstraße 1 und der Reifenwerkstätte von Thomas Auböck, wäre in diesem Bereich vermutlich doch zu exotisch gewesen. Dennoch empfinden viele Einheimische den Standort des Gebetshauses als Provokation.

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Die fast fertiggestellte Vöcklabrucker „Attersee-Moschee“ (re. v.) vor den katholischen Don-Bosco-Schulen (Bildhintergrund)

Spendengeld-Diebstahl nur böses Gerücht?

Nach eineinhalbjähriger Bauzeit steht mittlerweile schon die Gebäudehülle des Gebetshauses samt dominierender Glaskuppel, was alles mit Spendengeld finanziert wird, wie Rusmir Smajlovic, der stellvertretende Obmann des bosniakischen Errichtungsvereins und SPÖ-Ersatzgemeinderat in Vöcklabruck, auf Nachfrage bestätigt. Smajlovic glaubt, dass das Gebetshaus noch heuer eröffnet werden kann, doch die Fertigstellung des Gesamtkomplexes werde sich vermutlich noch länger hinziehen.

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Die markante Dachkuppel des muslimischen Gebetshauses

Eine diebische Elster im Verein, so pfeifen es in Vöcklabruck die Spatzen von den Dächern, hätte im Sommer vorigen Jahres ein Leck ins Spendenkonto des Vereins gerissen, was die Bautätigkeit kurzfristig zum Erliegen gebracht hätte. So hat es auch der Moschee-Nachbar, der Reifenhändler Thomas Auböck, gehört, doch Smajlovic, den ich darauf ansprach, weiß von nichts, wie er betont.

Den Grund, warum die Fertigstellung des Baukomplexes noch dauern könne, erklärt er damit, dass sein Verein einen Antrag auf Errichtung eines Zusatzgebäudes vor dem Gebetshaus einbringen werde, weil man für das Gebetshaus auch Nebenräume benötige.

Parkraumnot bei Freitagsgebeten befürchtet

Die Vöcklabrucker befürchten, dass sich darin eine Koran-Schule etablieren könne. Aber was immer dort dann auch einziehen beziehungsweise stattfinden wird, die Zahl der Parkplätze, die im Endausbau verfügbar sein werden, wird wohl überquellen, vermutet nicht nur FPÖ-Sicherheitsstadtrat David Binder.

Viele Ortsbewohner sehen schon jetzt ein Gedränge um freie Autoabstellflächen, vor allem bei den Freitagsgebeten der Muslime im Gewerbegebiet, welches das Areal, in dem die Moschee steht, de facto ist, wenn auch nicht mehr ausschließlich.

Umwidmung ermöglichte Moscheebau

Denn um das Gebetshaus an diesem Standort überhaupt ansiedeln zu können, war eine Umwidmung des Gewerbegebietes erforderlich. Zuvor war dieses Areal Ackerland gewesen, nun ist es ein sogenanntes Sondergebiet, wofür sich Rusmir Smajlovic im Zusammenwirken mit dem damaligen Stadtbaurat DI Alen Cuskic stark gemacht hatte. Unterstützt wurden sie dabei vom damaligen ÖVP-Bürgermeister Herbert Brunsteiner, der – so sagt man – damit nur verhindern wollte, dass die Moschee in der Innenstadt errichtet wird, was zuvor geplant war.

Nun steht sie am östlichen Rand des Vöcklabrucker Stadtgebietes, wo es trotz der Randlage zu wenig Parkplätze für das Gebetshaus gibt, das vor allem an Freitagen stark frequentiert werden wird, wie die ringsum angesiedelten Firmenbetreiber befürchten.

Sogwirkung für Muslime in Attersee-Region

Dennoch müsse niemand eine zugeparkte Ida-Pfeiffer-Straße befürchten, erklärt Smajlovic, weil es zwischen Gebetshaus und Bundesstraße 1 noch einen breiten Grünstreifen gebe, auf denen seinen Worten zufolge Parkplätze entstehen sollen.

Dass mit diesen die künftige Parksituation spürbar entschärft werden könne, glaubt Binder nicht. Denn das Vöcklabrucker Gebetshaus, so vermutet man in der Bevölkerung, werde Anziehungspunkt für sämtliche Muslime aus der Attersee-Region sein, weshalb man schon jetzt von der Attersee-Moschee munkelt.

Alle Bilder zVg von Kurt Guggenbichler
Zum Autor: Kurt Guggenbichler war Mitbegründer und Chefredakteur des „Wochenblick“. Sein journalistisches Handwerk hat er bei der „Goslarschen Zeitung“ in Norddeutschland erlernt, wo er acht Jahre lang als Redakteur, Reporter und Kolumnist tätig war. Wieder zurück in seiner Heimat, arbeitete Guggenbichler in der Funktion eines Ressortleiters dann 25 Jahre lang für die „Oberösterreichischen Nachrichten“. Zum „Wochenblick“ wechselte er einige Zeit nach seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Tageszeitung „Oberösterreichs Neue“ und für AUF1-Info ist Guggenbichler nun als Nachrichten-Redakteur, Kommentator und Reporter im Einsatz.

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